Wie entstand das Freizeitwerk Konolfingen?

Ein paar unentwegte Frauen organisierten für die Bevölkerung von Konolfingen ein Kerzenziehen. Aus diesem Anlass entstand 1978 der Wunsch, ein Freizeitwerk zu gründen. Ihr Ziel war - im Gegensatz zur Volkshochschule - das Handwerk und kreatives Gestalten in Kursen anzubieten.
Seifenfabrik von vorne
Seifenfabrik von hinten
Die Gemeinde, die Kirchgemeinde und die Schulen wurden für Kurslokale angefragt, doch aufgrund von Platzmangel konnten oft nicht alle im Programm aufgeführten Kurse durchgeführt werden. Es wurde Kontakt mit anderen Freizeitwerken aufgenommen, um herauszufinden, wie diese finanziert und strukturiert sind. Bald einmal war klar, dass ohne Unterstützung der Gemeinde das Freizeitwerk nicht so geführt werden konnte, wie sich das die Initianten vorstellten. Dementsprechend gelangte man 1985 erstmals an den Gemeinderat mit der Bitte um Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Kurslokalen. Am 3. August 1989 stand fest, dass das Freizeitwerk Konolfingen in die ehemalige Seifenfabrik (Nestlé-Areal) ziehen kann. Die Idee, die Räume für alle Interessierten öffentlich zu machen, mit einer festangestellten Betreuungsperson, konnte aus finanziellen Gründen jedoch nicht realisiert werden. Die Gemeinde stellte zwar die Räume zinsfrei zur Verfügung, doch das Freizeitwerk musste selbsttragend sein. In über 300 Stunden Fronarbeit wurden die alten Räume durch die damaligen Vorstandsmitglieder renoviert und hergerichtet. Kurse konnten nun das ganze Jahr über durchgeführt und der Jahreszeit entsprechend angepasst werden.
Um vor der Gemeinde und anderen Institutionen als anerkannten Verhandlungspartner auftreten zu können, wurde ein Verein gegründet. Beat Klötzli, welcher sicher vielen Konolfingern ein Begriff ist, übernimmt die Vorbereitung zur Gründung des Vereins. Gestartet wurde eine Mitgliederwerbung und ehemalige KursteilnehmerInnen wurden über die bevorstehende Vereinsgründung orientiert. Noch heute enthält jedes Programm einen Anmeldetalon und die Mitglieder profitieren von einer Ermässigung des Kurspreises. An der Orientierungs- und Gründungsversammlung vom 15. September 1992 erläuterte Beat Klötzli (Tagespräsident) die Vorteile eines Vereins: Konkreter Verhandlungspartner gegen aussen, bessere finanzielle Grundlage durch Mitgliederbeiträge. Inserat der Orientierungs- und Gründerversammlung
Der erste Auftritt nach der Vereinsgründung war das traditionelle Kerzenziehen. Seit 1990 führt das Freizeitwerk Konolfingen in Zusammenarbeit mit dem Schmitte-Team das Kerzenziehen durch. Die enorme Arbeit von beiden Teams, sowie zahlreichen freiwilligen Helfern, wird jedes Jahr mit einem grossen Besucheransturm belohnt. Zudem ist der Gewinn eine wichtige Einnahmequelle in die Kasse, da nicht alle Kurse kostendeckend sind. Einige Jahre wirkte das Freizeitwerk auch am "Weihnachtsmärit" mit; dies um hergestellte Recyclingkerzen zu verkaufen, Kontakte zu knüpfen und Mitglieder zu werben. 1993 wurde von der Gemeinde erstmals für Kinder und Jugendliche eine Ferienpassaktion durchgeführt. Das Freizeitwerk stellte die Kurslokale zur Verfügung, organisierte Ausflüge auf die Alp Rämisgummen und andere Aktivitäten.
Die Frauenkomitees von Freimettigen und Niederhünigen, die jeweils selber Kurse durchführten, wurden aufgelöst. Je eine Vertreterin dieser beiden Gemeinden nehmen seither aktiv bei der Kursauswahl und Ideensammlung teil. Pro Jahr werden ungefähr 22 Kurse angeboten und es können im Durchschnitt gut 3/4 der Kurse durchgeführt werden. Oft können Kurse auch doppelt geführt werden, da die Nachfrage gross ist. Das Freizeitwerk ist stets bemüht, neue und interessante Kurse anzubieten und neue Ideen einzubringen. Es werden nicht "nur" Bastelkurse angeboten, sondern auch Einblicke in die Kinesologie, Rückenmassage, Weinkunde, Kochkunst, Computergebrauch, usw. ermöglicht.
Im Jahr 2002 stellte die Gemeinde Konolfingen ein neues Kurslokal am Kreuzplatz 1 zur Verfügung, da die Seifenfabrik verkauft und abgerissen wurde. Die Gemeinde nahm einige bauliche Anpassungen vor und die Männer des Vorstandes leisteten einige Stunden Arbeit mit Böden verlegen, streichen und Regale montieren. Im Februar war alles bereit und die Kurse konnten im neuen, zentral gelegenen Kurslokal durchgeführt werden.
Fotogallerie Tag der offenen Tür Zur Zeit besteht der Verein aus 9 Vorstandsmitgliedern und ca. 85 Mitgliedern. Vorstandsmitglieder zu erstetzen wird immer schwieriger und die Arbeit muss auf weniger Leute verteilt werden. Ehrenamtliche Arbeit ist leider immer weniger gefragt! Das Freizeitwerk hat anlässlich des 25-jährigen Bestehens im September 2003 einen Tag der offenen Tür begangen. Dabei wurden Gegenstände aus diversen Kursen präsentiert und die Gäste mit Kaffee und Kuchen bewirtet.
Das Freizeitwerk wird sich auch in Zukunft bemühen, ein abwechslungsreiches Programm anzubieten. Dank der ehrenamtlichen Tätigkeit, dem Engagement der Gemeinde Konolfingen und dem Umstand, dass sich das Freizeitwerk nie auf Subventionen abstützte, können sehr preisgünstige Kurse offeriert werden.